Dank an Charly Chaplin

Gedanken zum meinem 60iger am 22.05.2011

 

Ansprache für meinen Geburtstag

 

Ursprünglich wollte ich aus der Rede zitieren, die Charlie Chaplin zu seinem 70. Geburtstag hielt. Sie schien mir genial zu meiner dzt. Situation zu passen.

Ich will jedoch zumindest zum großen Teil meine eigenen Worte verwenden. Und – ich habe keinerlei Probleme mit Plagiatismus!!

Zu Beginn - als Aufhänger – ein Originalzitat. Er sagte:

Als ich mich selbst zu lieben begann…….“ Ich will diesen Satzteil ändern in: „Als ich mich entschloss, mich selbst lieben zu lernen….....“

....Als ich mich entschloss, mich selbst lieben zu lernen, habe ich gemerkt, dass alles, was mir in meinem Leben begegnet ist, genau richtig war. Dass ich zu jedem Zeitpunkt, in jedem Moment am richtigen Ort war und dass alles, was geschah so geschehen musste.

So langsam erkenne ich, dass man das Vertrauen nennt.

 

Als ich mich, endlich, entschloss, mich selbst lieben zu lernen, änderten sich suggsessive meine Geschwindigkeit und mein Zeitbegriff. Ich hörte auf, mich meiner vielen freien Zeit zu berauben indem ich anderen Versuche zu beweisen, wie toll ich bin. Und ich hab aufgehört, auf Teufel komm raus mir meine Existenzberechtigung, die in unserer Gesellschaft oft nur über Arbeit definiert wird, .auf diese Weise zu „erkaufen“.

Stattdessen mache ich immer mehr die Dinge, die mir Spaß und Freude bereiten, was ich liebe und was mein Herz zum Lachen bringt. Auf meine Art und Weise und in meinem Tempo.

Mir wird immer mehr bewusst, dass man das Ehrlichkeit nennt.

 

Als ich mich entschlossen hatte, mir die Zeit zu nehmen, die ich brauche, um mich selbst lieben zu lernen, habe ich einige Dinge in meiner Ernährung und in meinem Umfeld geändert:

Ich verabschiedete mich von Speisen, Menschen, Dingen, Situationen und von allem, was mich immer wieder hinunter zieht, weg von mir selbst. Ich bin glücklich, dass mir das inzwischen ziemlich gut gelingt. Anfangs nannte ich das „gesunden Egoismus“.

Heute ist mir klar, dass man das Demut nennt.

 

Ich habe auch gelernt, dass ich so, wie ich bin, völlig okay bin und dass ich so sein darf. Trotzdem oder vielleicht sogar gerade wegen all dem, was geschehen ist oder noch geschehen wird. Dass ich so laut lachen darf, wie ich nur kann. Dass ich so oft mir danach ist, Menschen sage oder deutlich zeige, dass ich sie liebe. Ich habe gelernt, dass Rechtfertigungen, Entschuldigungen, Scham, schlechtes Gewissen, Dinge nur deshalb tun, damit eine Art von Belohnung folgt oder um eine Strafe zu vermeiden, mich in emotionaler Sklaverei festhält, die mir nicht, die niemandem gut tut.

Das bedeutet für mich Selbstachtung und Wertschätzung.

 

Als ich mich entschloss, mich selbst lieben zu lernen und auch damit begann, es zu tun, erkannte ich, dass keine Art von Gewalt mir selbst und anderen gegenüber, nicht verbal und auch nicht körperlich, mich mir näher bringen würde. Die Selbstbeschimpfungen, oft über den Umweg von Schuldzuweisungen an andere oder an Situationen (siehe Wetter!!) hatten mir lang genug seelische und körperliche Schmerzen beschert. Jetzt gehe ich oft sehr bewusst durch meinen Tag, durch mein Leben, setze einen Fuß vor den anderen, erledige eine Tagesaufgabe nach der anderen, nehme mir Zeit über das von mir bearbeitete Holz zu streicheln, lasse mir viel Zeit bei Gesprächen, höre mehr zu und rede etwas weniger (eine sehr herausfordernde Übung ).

Ich erlaube mir, es Achtsamkeit zu nennen.

 

Als ich begann, mich selbst zu lieben, lernte ich, andere Menschen dort sein zu lassen, wo sie sich entschlossen hatten zu sein. Ich erkannte, dass jeder Mensch zu jedem Zeitpunkt das Bestmögliche dessen tut, was er tun kann. Und das anderes oder mehr zu tun, gerade in diesem Augenblick nicht möglich war, nicht möglich ist. Ich bin jedoch nicht dazu verpflichtet, diejenigen weiter zu begleiten, die statt Bewegung den Stillstand bevorzugen, die sich als etwas Besseres fühlen, die über andere urteilen, besonders wenn diese anders denken, leben, fühlen als sie. Ich bin kein Richter, ich kann jedoch erkennen, wenn mich etwas oder jemand Energie kostet, die ich einfach nicht mehr habe oder geben will. Ich entscheide in diesem Fall, mich umzudrehen und gehen.

Ich erlaube mir, es meine Art von Freiheit zu nennen.

 

Ich dränge niemandem mehr meine Hilfe auf, reduziere immer weiter meine Neigung zur Kontrolle und Manipulation. Ich lasse die Vergangenheit, so gut ich es im Moment kann, ruhen. Die Gegenwart ist doch viel interessanter, nicht wahr? Ich besinne mich auf das, was ich wirklich sehr gut kann – Versöhnung leben, ohne Zwang und religiösem Eifer. Und wenn mir Versöhnung mit dem anderen (noch) nicht möglich ist, dann mich mit mir selbst zu versöhnen. Ja, und mit Empathie sowie Mitgefühl Menschen, die das wollen, zu begleiten. So viel selbst Erlebtes hat ja diesen Aspekt von Natur aus in sich.

 

Heute weiß ich, dass man das Liebe nennt.

 

Deshalb möchte ich allen, die hier sind, aber auch denen, die nicht hier sind und denen, die nicht mal eine Ahnung davon haben, danken. Denn ohne Euch und ohne die vielen Begegnungen, den wirklich sehr vielen Lehrern und Lehrerinnen auf den verschiedensten Ebenen, hätte ich nie gelernt, wie es sich anfühlt, sich selbst zu lieben. Und – hätte nie erfahren, wie einfach es dadurch ist, andere Menschen zu achten, in Verbindung mit ihnen zu treten, ganz verrückt auf eine bessere Welt aus sich selbst heraus hinzuarbeiten und – einfach – (es ist wirklich einfach – aber nicht ganz leicht) zu lieben.

 

Ich danke Euch allen dafür, dass Ihr hier seid, dass ihr mein Herz zum Lachen bringt (und nicht nur das, wie Ihr schon längst gehört haben werdet ) und dass mich, jeder auf seine Art und in seinem Tempo begleitet und ich jeden begleiten darf.

 

Ihr berührt und bewegt mich. So kann ich durch Euch ebenfalls begreifen und erfahren, das Leben Bewegung heißt und Stillstand völlig unmöglich, nur Illusion ist. Danke auch dafür.

 

Und jetzt wünsche ich jedem von Euch noch ein fröhliches, von Lachen, Freude und Genuss erfülltes Weitererleben meines Kinderfestes………